Sich selbst nicht aushalten … !

Heute hatte ich die Zeit und das Glück eine Strecke von mehr als zwei Stunden mit einem  Freund zusammen zu verbringen. In loser Reihenfolge schaffen wir das seit einem Jahr doch öfter.

Nennen wir meinen Freund der Einfachheit halber H. Er und ich treffen uns heute in einer kleinen Restauration. Fabulieren und Formulieren … Resignieren und Phantasieren … Auf und Ab – wir bewegen uns in der Weltgeschichte. Steinzeit – Neuzeit – Mittelalter- Film und Fernsehen – Politik – Nationalsozialismus. Streifen die Kommunen mit ihrer Sexualität … sind in der Nähe vom „Muff der Talaren seit 1000 Jahren“ usw. 

Soziologie, Politik und Psychologie zwischen Cafe Crema und Grünem Tee. Zwei Freigeister gefangen im Gefängnis des Geistes !

Am Ende Fragen : Hält der Mensch sich selbst aus ? Kann er das Zusammensein ? Was ist Rücksicht und wieviel davon darf oder muss sein ? Erwartungen der anderen Menschen und ihre eigenen Absichten ? 

Gebt eine Antwort ! Halter ihr euch aus … mit euren Gedanken, Gefühlen und Unzulänglichkeiten ? Euren Fähigkeiten, dem Durchhaltevermögen und Eurem Herzschlag ?

Martin 171171

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Zweifel … !

Nach langen Wochen einer gewissen Selbstsicherheit in meinem privaten Kontexten ergriff heute ein hier durchaus bekanntes Gefühl Besitz von mir … der Zweifel …

  • Ob wir finanziell eben ausreichend abgesichert sind mit Haus und Hof.
  • Wir unseren Kindern die von ihnen erwünschte musikalische, sportliche, kulturelle und schulische Unterstützung bieten können.
  • Unser System auch noch Bestand hat, wenn ich wegen körperlicher oder psychischer Erkrankungen mehr als die Lohnfortzahlungszeit erkrankt bin.
  • Mein Bruder und ich die richtigen Entscheidungen treffen können, falls es unserer Mutter einmal gesundheitlich oder finanziell nicht gut gehen sollte.
  • Ich  genug befähigt bin, mein weiteres und virtuelles Studium zu bestehen.
  • Ich mich eben genug angrenzen kann von den Bedürfnissen unserer Kinder.
  • Und gleichzeitig in der Lage bin, deren Bedürfnisse adäquat zu bedienen.

Dies und so vieles mehr bewegt mich an diesem Tag …

Martin 171171

Der Baum muss weg … !

Was für eine Ähnlichkeit – 1989 und 2019. Bei allem Respekt für diejenigen, die sich die Freiheit erkämpften ! Ist das Thema nicht ähnlich ? Das Thema der „Freiheit“ ? Dinge, die stören, drücken, eine  Mauer bilden, einengen und gefangen machen ?

Natürlich werden jetzt alle Freiheitskämpfer, Verfolgten, Mauerstürmer und Regimegegner aufschreien – eben wie banal dieser Vergleich ist ! Ist er es denn ?

Das persönliche Gefängnis ist oft stärker und bedrückender, als ideologische, gesellschaftliche und politische Gefängnisse !

Der Baum als weihnachtliches Symbol. Groß und verdunkelnd. Bestimmt, um wenige Wochen später in der Abfalltonne der Geschichte zu landen – wie jedes Jahr. Das Fest, was wie so lange erwarteten. Bestimmt, um am 27.12. eines jeden Jahres mit „Es ist geschafft“ tituliert zu werden. Die weihnachtliche Musik. Bestimmt , um spätestens ab dem 27.12. in karnevalistischer Folklore zu ertönen.

Der Adventskranz mit seinen leuchtenden Kerzen. Bestimmt, um den ersten Frühlingsboten aus dem Gartencenter zu weichen.

Das Haus atmet Freiheit, Struktur und Klarheit. Die Fensterbänke und Kommoden sind frei. Die Fenster geputzt und klar. Die Steckdosenleisten haben Platz. Kleiderschränke, Speicher und Keller werden entrümpelt. Selbst die Fahrzeuge sind sauberer und leichter.

Das, was gefangen hält, erdrückt, ein Symbol für Unfreiheit ist, unüberwindbar scheint, mehr als mannshoch ist – all dies

  • Darf weg !
  • Muss sich nicht wiederholen !
  • Hat eine helle und freundliche Alternative !
  • Hat einen schönen Inhalt …
  • Der eben auch anders, freundlicher, freier, zärtlicher und zwangloser gestaltet werden kann.

Doch der Baum – das Symbol … er muss weg !

Martin 171171

31.12.1978 … !

Jetzt ist es also soweit … gerade jetzt. Der Moment, in welchem ich doch einiges besser verstehe. Nach nunmehr 47 Lebensjahren.

Am 31.12.1978, eben genau vor vierzig Jahren, ahnte ich schon lange, dass die Ehe meiner Eltern anders war, als viele Partnerschaften der Schulfreund Eltern. Die Stimmung in unserem, mehr als gutbürgerlichem, Haushalt war wechselhaft und für mich nicht einschätzbar. Geprägt von sehr viel Party, schnellen Autos, Geld, teuren Urlauben, Alkohol, Heimsauna, Hausschlachtungen, exquisiten Hobbys etc.

Nichts von dem war etwas für mich ! Ich wollte eigentlich nur, dass jeder Tag verlässlich und klar ist. Doch als Kind … wen sollte ich denn hier überzeugen können ? Unsere Eltern waren die Nachkriegsgeneration – teilweise noch mit Haferbrei, schlagenden Lehrern in der Volksschule und anderen „Segnungen“ aufgewachsen. Der erste Jahrgang, der dann etwas freier bestimmen konnte … und sie haben es getan !

An diesem Tag verkroch ich mich vor den verhassten Sylvesterfeierlichkeiten schon sehr früh in mein Bett. Zwei Stockwerke unter mir erklang in unserem Partykeller  die entsprechende Musik … und zwar nicht von der LP. Live Gesang etc. „Wohlwollend“ wie Menschen nun mal sind, kamen alle zehn Minuten erwachsene Nachbarn, meine Eltern, andere Kinder in mein Zimmer hinein. Den Ort, den ich als einzigsten als sicher empfunden hatte. Forderten mich auf „Dabei zu sein“ – „Nicht zum Lachen in den Keller zu gehen“ – „Bitte meinen Eltern keine Sorgen zu machen“ etc.

Jedes Eindringen in mein Zimmer empfand ich als Angriff auf mich selbst. Es war schrecklich für mich ! Artikel 1 unseres Grundgesetzes kannte ich noch nicht – doch meine Würde wurde an diesem Tag zigfach verletzt ! Keiner verstand, warum ich eben nicht auf das teure Essen, die Musik, die Autos und Häuser, die Hobbys, die Uhren und eben dieses Sylvester klar kam.

Doch es ging vorbei (kurz). Gegen 03.30 Uhr kehrte Ruhe in unserem Haushalt ein. Die Putzfrau rückte an (Hallo … ???). Denn drei Stunden später sollte natürlich alles glänzen. Kurz überantwortete ich mich dem Schlaf … Dann klingelte es ! Ein Freund der Eltern stand erneut vor der Tür … nicht alleine ! Und es ging weiter  … viele Stunden !

Zehn weitere Stunden später … ich falle in einen tiefen und trotzdem unruhigen Schlaf ! Wache auf und versuche, es mit meinen Eltern zu klären – Alles nie passiert !

Vierzig Jahre später – 31.12. eines jeden Jahres … streicht es doch ! Es gibt einige Menschen innerhalb und außerhalb meiner Familie, die ich heute gerne treffen würde. De facto sind alle zusammen – ich bin zu Hause …

Niemals mehr kann es diesen Tag für mich geben !

Martin 171171

Zurücklehnen … !

Heute ist der erste Tag, an welchem ich mich etwas zurücklehnen kann … Trotz der „friedlichen Weihnachtszeit“ sowie meines Urlaubes seit mehr als einer Woche. Hierzu habe ich ja schon einige Artikel veröffentlicht.

„Zurücklehnen“ – was für ein Wort … Was will es denn meinen ? Das

  • Wir alle Stützen brauchen ?
  • Uns eben nach gestern und noch länger vergangenen Zeiten sehnen ?
  • Unsere Kraft ausgeht ?
  • Wir auch vertrauen können nicht hinzufallen ?
  • Etwas und Irgendwer immer hinter uns lehnt ?

All dies und noch so viel mehr kann es doch bedeuten. Zurücklehnen …. viel mehr, als nur „Ausruhen“ !

Martin 171171